Opern-Navigator
Welche Oper passt zu mir? Ein kleiner Guide durch die Spielplan-Welten der Staatsoper Stuttgart
Endlich mal (wieder) in die Oper gehen? Bitte gern! Nur: Welche Oper passt eigentlich zu mir? Soll’s romantisch sein? Oder mögen Sie lieber Action auf der Bühne? Oder will gleich die ganze Familie mitkommen? Für alle, die es gern gut sortiert mögen, haben wir hier das Repertoire dieser Opernsaison in Listen eingeteilt – ohne Gewähr, aber immer mit Augenzwinkern!
Rotz und Wasser
Für alle, die es gerne romantisch mögen
Bei kaum einer anderen Oper fließen die Tränen heißer als bei Verdis unsterblicher Traviata: Die Geschichte der Kurtisane Violetta, die – bereits todkrank – ihre große Liebe findet und verliert, berührt seit Generationen, egal ob es sich um den ersten oder den hundertsten Opernbesuch handelt. In Benedikt von Peters ikonischer Inszenierung steht allein Violetta im Fokus – eine ebenso radikale wie intensive Deutung.
Schalk im Nacken
Für alle, die es heiter und vergnügt mögen
Der Miesepups wohnt in der Baumhöhle im Mooswald. Er steht nie vor Mittag auf und möchte auch keines der Wesen aus der Nachbarschaft sehen. Er ist derartig miesepetrig, dass er dem Kucks sogar die Tür vor der Nase zuschlägt. Aber so leicht lässt sich ein Kucks nicht abschütteln. Kann es den Griesgram aus der Reserve locken? Basierend auf dem Kinderbuch von Kirsten Fuchs, erzählt Der Miesepups allen ab 6 Jahren von den Klängen des Mooswalds, entführt uns in die Träume des Titelhelden und zeigt, wie schön es ist, einen Freund zu finden.
Actionheld*innen
Für alle, die Fäuste fliegen und Köpfe
rollen sehen wollen
Unter dem Eindruck einer stürmischen Schiffsfahrt schrieb Richard Wagner diese „Romantische Oper in drei Aufzügen“, inspiriert von der Sage des Fliegenden Holländers. Von Satan selbst dazu verdammt, ruhelos auf den Weltmeeren zu kreuzen, darf der verfluchte Schiffskapitän alle sieben Jahre an Land gehen, um eine Frau zu freien, die ihm die Treue hält bis in den Tod. Aus der Hölle der ewigen Wiederkehr führt ihn sein Weg in die eiskalten Wasser egoistischer Berechnung, wo der Mensch nur soviel gilt, wie er einbringt.
Blut und Tränen
Für alle, die es aufwühlend und
dramatisch mögen
Evergreens
Für alle, die große Klassiker wollen
Verdis berühmte Traviata – und Sie sind mittendrin! Das Orchester vor Ihnen, der Chor über Ihnen, und die Solist*innen neben Ihnen: Benedikt von Peters Inszenierung lässt die Hauptfigur Violetta allein auf der Bühne zurück, und setzt das Publikum dadurch mittenrein in die Musik. Lassen Sie sich überwältigen von den Klängen um Sie herum, von Violettas Sehnsüchten und Träumen, und erleben Sie einen einzigartigen Opernabend.
Die vermutlich melancholischste Komödie aller Zeiten als eiskaltes Märchen: In ihrer zweiten Zusammenarbeit spüren Regisseur Axel Ranisch und Generalmusikdirektor Nicholas Carter dem feinziselierten Ästhetizismus von Richard Strauss’ und Hugo von Hofmannsthals Rosenkavalier nach – wo es walzerweich federt und man sich fragt: „Wo war ich schon einmal und war so selig?“
Groß und Klein
Für die ganze Familie
Das Grimm’sche Märchen vom Aschenputtel kennen Sie? Dann empfehlen wir unbedingt die italienische Variante davon – La Cenerentola! Rossini hat die altbekannte Geschichte um das gutherzige Aschenputtel und ihre garstigen Schwestern in wunderbar witzige und mitreißende Musik gepackt. Ein großer Spaß auch für jüngere Opernfans!
Arthouse
Für Freund*innen diskursiver Komplexität
„Ich habe gar keine Zeit mehr, an mich zu denken“, notierte Leoš Janáček während der Entstehung von Die schlaue Füchsin. Die Komposition nahm ihn ganz ein, so akribisch versuchte er, die Geräusche der Natur und der Tierwelt in Musik zu übersetzen. Basierend auf einem Zeitungscomic schuf Janáček ein Werk über Existenz und Fremdheit, in dem sich eine Füchsin und ein Förster begegnen und damit Natur und scheinbare Zivilisation aufeinanderprallen.
hässlich as fuck erforscht die dunkle Seite der Schönheit: wo Wellness zum Zwang wird, weil der Körper schön, jung, fit und makellos sein muss. Es beginnt eine Suche nach Befreiung von den Anmaßungen einer Welt voller Filler und Filter. Die Performance öffnet Räume jenseits des Erfüllungszwangs – und fragt: Wie könnte Versöhnung klingen, mit einem Körper, der nie genügt, und mit dem Blick, der ihn ständig misst?
Sammlerstücke
Für alle, die Raritäten suchen
Eine Ode an das Leise, an Zwischentöne und Zwischenräume, an Stille zwischen einzelnen Tönen. An die Stille, die den nicht-hörenden Beethoven von seinen Mitmenschen trennte und isolierte. Aber natürlich auch an die Utopie, dass aus allen Menschen Geschwister werden. Cordula Däuper und Bas Wiegers verarbeiten in ihrem „Konzert mit Szene“ den Finalsatz aus Beethovens neunter Sinfonie sowie andere seiner Kompositionen.
Nina Simone und Frank Sinatra auf der Opernbühne? Aber ja! Welches musiktheatrale Potenzial sich hinter den Songs dieser beiden Musik-Ikonen des 20. Jahrhunderts verbirgt, erkundet Ivo van Hove in seiner Inszenierung I Did It My Way, die von der Suche nach einer freien Gesellschaft und der Gültigkeit des American Dream erzählt. Im Zusammentreffen von Schauspieler Mark Waschke und Musical-Star Aisata Blackman entsteht ein Musiktheaterabend zwischen Pop, Politik und großer Emotion.
Ein poetisch-philosophisches Gleichnis über Begehren, Vergänglichkeit und den Kreislauf des Lebens: In„Die schlaue Füchsin prallen zwei Welten aufeinander – die der Menschen und die der Tiere. Leoš Janáček schuf damit ein Werk voller Gegensätze und erzählt laut Regisseur Stephan Kimmig doch gleichzeitig „eine der schönsten Liebesgeschichten, die jemals geschrieben worden sind“.